Um die europäischen Ziele zur Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2030 und zur CO₂-Neutralität bis 2050 zu erreichen, muss jedes Unternehmen seinen Beitrag leisten. Durch die Umsetzung einer Strategie zur Verringerung Ihres CO₂-Fußabdrucks leisten Sie einen konkreten Beitrag zu einer nachhaltigeren Wirtschaft. Darüber hinaus werden neue Vorschriften dazu führen, dass immer mehr Akteure ihre Emissionen messen und quantifizieren. Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um anschließend einen wirksamen Dekarbonisierungsplan zu erstellen.
CO2-Bilanz: Quantifizierung der Treibhausgasemissionen
Was ist eine CO2-Bilanz?
Die CO₂-Bilanz ist in erster Linie ein Instrument zur strategischen Analyse: Das Unternehmen erstellt eine Bestandsaufnahme der Treibhausgasemissionen (THG), die seine Tätigkeit direkt und indirekt verursacht. Anhand von Referenzwerten lassen sich die tatsächlichen Emissionen berechnen und kohärente Ziele festlegen.
Neben der Quantifizierung der Emissionen ermöglicht diese Bewertung auch die Identifizierung der CO₂-Emissionsquellen. Dies ist ein wesentlicher Punkt für die Entwicklung einer wirksamen Reduktionsstrategie, indem gezielte Maßnahmen wie Abfallvermeidung oder die Umstellung der Transportpraktiken festgelegt werden.
Für eine wirksame Dekarbonisierung kann die CO₂-Bilanz von einem spezialisierten Berater erstellt werden. Es handelt sich jedoch nicht um einen einmaligen Vorgang; die CO₂-Bilanz muss regelmäßig aktualisiert werden, um die erzielten Fortschritte zu messen, die umgesetzten Maßnahmen anzupassen und die Strategie zur Emissionsreduzierung in einen Prozess der kontinuierlichen Verbesserung einzubetten.
Wie berechne ich meine CO₂-Emissionen?
Zur Berechnung ihrer Treibhausgasemissionen können sich Unternehmen auf einen französischen Rahmen (BEGES / Bilan Carbone®) oder auf internationale Standards (ISO, GHG Protocol) stützen.
Für die Berechnung der CO₂-Bilanz gibt es Software-Lösungen. Diese ermöglichen es:
- die Umweltdaten des Unternehmens zu zentralisieren;
- die Erfassung von Informationen aus verschiedenen Quellen zu automatisieren;
- die Treibhausgasemissionen gemäß den Standards zu berechnen.
Die in Luxemburg verwendete GHG-Protocol-Methode unterscheidet zwischen drei großen Emissionsgruppen:
- Scope 1: direkte Emissionen. Dabei handelt es sich um Emissionen aus Quellen, die sich im Besitz des Unternehmens befinden oder von diesem kontrolliert werden, wie beispielsweise die Verbrennung von Kraftstoffen vor Ort, Firmenfahrzeuge oder bestimmte Leckagen von Kältemitteln.
- Scope 2: indirekte Emissionen. Diese entsprechen den Emissionen, die bei der Erzeugung von Strom, Wärme, Dampf oder Kälte entstehen, und die vom Unternehmen gekauft und verbraucht werden, auch wenn diese Emissionen nicht direkt vor Ort stattfinden.
- Scope 3: indirekte Emissionen vor und nach dem Produktionsprozess. Diese umfassen alle Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, beispielsweise den Einkauf von Waren und Dienstleistungen, den Transport, Dienstreisen, Abfälle, die Nutzung der verkauften Produkte oder deren Entsorgung am Ende ihrer Lebensdauer.
Eine CO2-Bilanz erstellen: Welche Chancen ergeben sich daraus für mein Unternehmen?
Der internationale Ansatz des GHG Protocol eignet sich für kleine und mittlere Unternehmen:
- Das GHG Protocol wurde so konzipiert, dass es praktikabel bleibt: Der Zeit- und Kostenaufwand für die Umsetzung muss im Rahmen bleiben.
- Es ist an alle Branchen und Organisationsformen anpassbar und stützt sich auf Leitfäden und Tools, die für Teams ohne Fachkenntnisse konzipiert sind.
Aktionsplan für eine erfolgreiche CO₂-Bilanz
Wenden Sie sich in jedem Fall an die Chambre des Métiers, ehe Sie Maßnahmen zur Erstellung eine CO2-Bilanz ergreifen. Möglicherweise haben Sie Anspruch auf staatliche Fördermittel, die unbedingt beantragt werden müssen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten!
- Kontakt mit einem Berater zur Festlegung des Projektumfangs
Je nach Entwicklungsstadium des jeweiligen Unternehmens gibt es drei mögliche Vorgehensweisen:
- Für Einsteiger
„Parcours Initiation“
- Erstellung einer ersten Emissionsbilanz und Festlegung eines kurzfristigen Aktionsplans durch die Erstellung einer „Bilan Carbone® Initial“.
- Auf die CO₂-Bilanz kann ein Prozess mit einem entsprechenden qualifizierten Unternehmen folgen, um eine operative Klimastrategie zu entwickeln. Diese ist von kurz- bis langfristig angelegt und steht mit der Gesamtstrategie der Organisation im Einklang.
- Für eine fundiertere und strengere Strategie
„Parcours Intégration“
- Erfassung der Emissionen mittels der „Bilan Carbone® Standard“
- Erstellung des Übergangsplans mit einem entsprechend qualifizierten luxemburgischen Unternehmen.
- Für eine Optimierung der CO2-Bilanz
„Parcours Pilotage“
- Übergangsplan wurde mit einem qualifizierten Unternehmen bereits erstellt.
- Durchführung der operativen Steuerung und Überwachung der „Bilan Carbone® Avancé“-Leistung.
- Der Übergangsplan wird kontinuierlich aktualisiert und weiter verbessert.
- Beantragung von Fördermitteln und Finanzierungen
Ermittlung der in Frage kommenden Fördermittel. Entsprechende Anträge müssen Sie unbedingt stellen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten.
- Datenerhebung
Erfassung der für die Emissionsberechnung erforderlichen Daten (Energieverbrauch, Abfall, Dienstfahrten, Transport usw.), um ein genaues Bild des CO₂-Fußabdrucks des Unternehmens zu erhalten.
- Erstellung der CO₂-Bilanz
Analyse der erfassten Daten, um die Treibhausgasemissionen nach Bereichen zu quantifizieren, die Hauptemissionsquellen zu identifizieren und eine solide Grundlage für die Festlegung geeigneter Reduktionsmaßnahmen zu schaffen. - Erstellung eines Aktionsplans
Umsetzung der Ergebnisse der CO2-Bilanz in konkrete Maßnahmen zur Emissionsreduzierung.
- Festlegung von Prioritäten
Priorisierung der umzusetzenden Maßnahmen nach ihrer potenziellen Auswirkung auf die Emissionen, ihrer Durchführbarkeit, den entstehenden Kosten und der Amortisationszeit.
- Einholung von Angeboten
Beauftragung eines Experten mit der Umsetzung der gemäß dem Aktionsplan ausgewählten Maßnahmen.
- Bewertung der Amortisationszeit
Die Amortisationsdauer ist der Zeitraum, der erforderlich ist, in dem die Energieeinsparungen die Anschaffungskosten ausgleichen.
Formel: Amortisationszeit (Jahre) = Anschaffungskosten / Jährliche Einsparungen
Der Return on Investment (ROI) misst die Rentabilität eines Projekts, indem er die erzielten Gewinne mit den Anschaffungskosten vergleicht.
Formel: ROI (%) = [(Nettogewinn – Anschaffungskosten) / Anschaffungskosten] × 100
- Beantragung von Fördermitteln und Finanzierungen
Ermittlung der verfügbaren Fördermittel für die Umsetzung der identifizierten Maßnahmen.
- Planung, Umsetzung und Anpassungen
- Planung der Maßnahmen nach Bereichen und in kurzen Zeitfenstern, um den Betrieb nicht zu behindern.
- Bei der Inbetriebnahme sind die erforderlichen Anpassungen und Einstellungen vorzunehmen.
- Schulung des Teams und Erläuterung der neuen Arbeitsabläufe.
- Überwachung und Wartung
- Regelmäßige Überprüfung der Leistung und Schulung des Teams, um Abweichungen und Verschwendung zu erkennen.
- Eine Strategie zur kontinuierlichen Verbesserung einführen, die an die Entwicklungen in der Werkstatt angepasst ist.
- Planung eines Audits für eine künftige CO₂-Bilanz
Vorbereitung einer neuen Bewertung, um die erzielten Fortschritte zu messen, die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen zu überprüfen und die Strategie zur Emissionsreduzierung im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung anzupassen.
Nachhaltige Entwicklung durch eine CO2-Bilanz aufwerten
Steffen Holzbau S.A. reduziert seinen CO2-Fußabdruck dank CO2-Bilanz
Steffen Holzbau S.A., ein luxemburgisches Unternehmen im Holzbau, hat eine CO₂-Bilanz erstellt, um seine wichtigsten Emissionsquellen zu identifizieren und konkrete Einsparmaßnahmen zu definieren. Das Unternehmen hat dabei insbesondere mehrere Maßnahmen in Bezug auf seinen Fuhrpark ergriffen, der 89 % seiner Gesamtemissionen ausmachte.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Keller Minimal Windows reduziert seinen CO2-Fußabdruck und verbessert seine Nachhaltigkeit dank einer Bilanz
Entdecken Sie diese Fallstudie auf der Website des Programms „Klimapakt fir Betrieber“.
Welche Fördermittel stehen mir für die Erstellung einer CO₂-Bilanz zur Verfügung?
Der luxemburgische Staat bietet finanzielle Hilfen an, um Unternehmen zur Reduzierung ihrer CO₂-Emissionen zu ermutigen.
- Das Programm SME Packages – Sustainability bietet kleinen und mittleren Unternehmen Unterstützung und finanzielle Hilfe für nachhaltige Investitionen in Höhe von 3.000 € bis zu 25.000 € (ohne MwSt.).
- Investitionsbeihilfe zum Umweltschutz
- Unternehmen, die ein Projekt zur ökologischen und energetischen Wende durchführen, können eine Steuervergünstigung in Anspruch nehmen. Diese richtet sich nach den im Rahmen eines Projekts zur ökologischen und Energiewende getätigten Investitionen und Betriebsausgaben.
- Fit4 Sustainability oder Umweltstudie zur Durchführung einer technisch-wirtschaftlichen Analyse.
- Verschiedene Förderprogramme der Stromversorger, wie beispielsweise das Programm „enoprimes“, sind mit staatlichen Beihilfen kumulierbar.
- Luxinnovation begleitet Unternehmen im Rahmen der Investitionsförderung für den Umweltschutz sowie bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Entdecken Sie auch die von Luxinnovation entwickelte Übersicht über Akteure im Bereich Nachhaltigkeit: eine Übersicht des luxemburgischen Ökosystems für Nachhaltigkeitsförderer.
- Entdecken Sie auch unsere Broschüre mit den staatlichen Beihilfen zur Umsetzung von Dekarbonisierungsmaßnahmen.
Unterstützung beim Einstieg
In Luxemburg gibt es mehrere Instrumente und Anlaufstellen, die Unternehmen bei der Dekarbonisierung sowie der Finanzierung von Projekten, der Anschaffung von Ausrüstung oder bei Energieaudits unterstützen.
Die Chambre des Métiers kann Ihnen eine Orientierung in folgende Richtungen geben:
- Fördermittel für die Nutzung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz, insbesondere über das „Klimaprogramm Handwierk“, eine Initiative der Chambre des Métiers (Partner des Programms „Klima Pakt fir Betriber“), die allgemeine Informationen zur Dekarbonisierung von Unternehmen bereitstellt;
- Programme für technische Beratung und Audits (Experten und Berater);
- Schulungen und Informationsveranstaltungen für Ihr Team.
Über das vom „KlimaPakt fir Betriber “ bereitgestellte Online-Tool können Sie die bestehenden Maßnahmen zur Unterstützung Ihres Unternehmens entdecken (kreuzen Sie „Handwerk“ in der linken Spalte an). Sie können sich auch von den zur Verfügung gestellten Fallbeispielen inspirieren lassen.
Der Service eHandwierk und die Berater der Chambre des Métiers [CDM – Sustainable Handwierk Home / Link] stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung, um sie über die für Sie am besten geeigneten Maßnahmen zu informieren.
Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen
Die Erstellung einer CO₂-Bilanz im Handwerkssektor ist mehr als nur eine freiwillige Maßnahme: Sie ist Teil eines Kontexts, in dem sich die Anforderungen an die Nachhaltigkeits-Bemühungen zunehmend festigen.
Zu nennen sind hier die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive – Europäische Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung), ergänzt durch die ESRS (European Sustainability Reporting Standards), die eine wachsende Zahl großer Unternehmen dazu verpflichten werden, detailliertere nichtfinanzielle Informationen zu veröffentlichen. Auch wenn viele Handwerksbetriebe davon nicht direkt betroffen sind, dürfte diese Entwicklung dennoch Auswirkungen haben: Kunden, Banken, Zulieferer usw. könnten von ihren Lieferanten Umweltdaten verlangen, insbesondere Informationen zu Treibhausgasemissionen.
Die Einführung des ETS2 (European Tradings System), das schrittweise CO₂-Kosten in die Brenn- und Treibstoffe einbeziehen wird, die insbesondere für die Beheizung von Gebäuden und den Straßenverkehr verwendet werden, verleiht auch der CO₂-Bilanzierung für Handwerksbetriebe eine neue Dimension. Auch hier unterliegen sie diesen administrativen Verpflichtungen nicht direkt, doch das ETS2 dürfte sich ganz konkret in einem schrittweisen Anstieg der Kosten für fossile Energieträger niederschlagen. Damit würde sich der Druck auf die Posten „Heizung“ und „Mobilität“ erhöhen, die im Handwerk oft einen großen Anteil der Kosten ausmachen.
In diesem Zusammenhang wird die CO₂-Bilanz zu einem besonders nützlichen Instrument, um einen strukturellen Trend in einfache und leicht umsetzbare Maßnahmen zu übertragen: den Verbrauch überwachen, die wichtigsten Posten identifizieren, realistische Initiativen organisieren (Energiesparen und Energieeffizienz in den Werkstätten, Optimierung von Dienstfahrten und Baustellen, Wartung und schrittweise Erneuerung des Fuhrparks usw.).