Für luxemburgische Handwerksbetriebe ist die Nutzung von Wasserkraft bereits eine Realität. Etwa 50 % des nationalen Strommixes stammen aus Wasserkraft, größtenteils aus norwegischen Quellen. Darüber hinaus werden fast 1,5 % des nationalen Strommixes direkt von Wasserkraftwerken in Luxemburg erzeugt. Das nationale Potenzial für den Bau neuer Anlagen ist jedoch heute praktisch ausgeschöpft. Die Zukunft der Wasserkraft liegt daher hauptsächlich in der Modernisierung der bestehenden Infrastrukturen, von denen viele bereits seit mehreren Jahrzehnten in Betrieb sind. Vor diesem Hintergrund bieten die Stromversorger des Landes Verträge mit einem hohen Anteil an Wasserkraft oder sogar 100 % Ökostrom an, was eine interessante Option für Privatkunden darstellen kann, um sich leichter mit erneuerbarer Energie zu versorgen und so aktiv zur Energiewende beizutragen.

Wasserkraft: Einsatzmöglichkeiten, Vorteile und Grenzen

Zur Nutzung der Wasserkraft setzt man hauptsächlich auf zwei Arten von Anlagen: Laufwasserkraftwerke und Speicherkraftwerke (Staudämme).

Kraftwerkstypen und ihre Funktionsweise

  • Speicherkraftwerke: Diese Anlagen speichern Wasser und damit überschüssige Energie in einem Stausee. Bei Bedarf kann durch das Ablassen des Wassers Spitzenlaststrom erzeugt werden. Das Pumpspeicherkraftwerk Vianden ist hierfür ein gutes Luxemburger Beispiel. Es zählt zu den größten Europas und dient sowohl der Stromerzeugung als auch der Stromspeicherung. Ein weiteres gutes Beispiel hierzulande ist der Staudamm von Esch-sur-Sûre.
  • Laufwasserkraftwerke: Hierbei handelt es sich meist um kleinere Anlagen, die Strom entsprechend der natürlichen Durchflussmenge von Flüssen erzeugen. Ihre Stromerzeugung ist daher stärker von klimatischen Schwankungen abhängig. Um eigene Wasserkraft nutzen zu können, ist ein regelmäßiger und ausreichender Wasserfluss erforderlich, der Produktionsschwankungen ausgleichen kann. In Luxemburg gibt es mehrere derartige Kraftwerke entlang der Alzette, der Mosel, der Sauer und der Our.

Vorteile der Wasserkraft

Wasserkraft bietet mehrere Vorteile:

  • Geringe Treibhausgasemissionen: Im Vergleich zu anderen Energiequellen erzeugen Wasserkraftwerke pro erzeugter Kilowattstunde sehr wenig CO₂.
  • Hohe Produktionsleistung: Je nach Wasserkraftpotenzial können die Kraftwerke große Mengen an Strom kontinuierlich liefern oder, im Falle von Speicherkraftwerken, den Energiebedarf in Spitzenzeiten ausgleichen (das Kraftwerk in Vianden liefert eine maximale Leistung von 1.300 MW, um das Netz zu stabilisieren).

Grenzen und Rahmenbedingungen in Luxemburg

  • Die Wasserkraftproduktion in Luxemburg ist nach wie vor begrenzt durch die Verfügbarkeit geeigneter Standorte sowie durch die Auswirkungen des Klimawandels, wie Dürren und sinkende Abflussmengen der Flüsse.
  • Zudem erfordert die Errichtung eines Kleinwasserkraftwerks einen nutzbaren Wasserfluss in der Nähe des Standorts oder eines Netzanschlusses.

Auf der Website „Energie Auer“ können Sie die installierte Wasserkraftleistung in Luxemburg einsehen.

Internationaler Vergleich

In einigen Ländern – wie den nordeuropäischen Staaten, Österreich, der Schweiz oder Süddeutschland –, die über günstige Niederschlagsverhältnisse oder eine Vielzahl von Flüssen verfügen, spielt die Wasserkraft eine wichtige Rolle. In der Schweiz beispielsweise stammten im Jahr 2023 58 % des Stromverbrauchs aus Wasserkraftwerken.

Kann ein Handwerksbetrieb Strom aus Wasserkraft beziehen?

Versorgung mit 100 % erneuerbarer Energie, einschließlich Wasserkraft

Für die meisten Handwerksbetriebe in Luxemburg besteht die einfachste Möglichkeit zur Nutzung von Wasserkraft darin, einen Anbieter zu wählen, der Ökostrom mit einem Wasserkraftanteil bereitstellt. Mehrere Anbieter bieten Verträge für 100 % erneuerbare Energie an, welche die Herkunft des Stroms garantieren.

Investition in ein eigens kleines Wasserkraftwerk

Bestimmte Handwerksbetriebe eignen sich aufgrund ihrer Tätigkeit oder ihres hohen und stabilen Stromverbrauchs besser als andere für die Nutzung von Wasserkraft. Historisch gesehen waren dies vor allem Mühlen oder Sägewerke. Heutzutage können auch Produktionsbetriebe wie Metallwerkstätten, große industrielle Schreinereien oder Druckereien, die in der Nähe eines nutzbaren Wasserlaufs liegen, diese Energie nutzen, z.B. mit einem eigenen kleinen Wasserkraftwerk.

Es wird jedoch empfohlen, Kontakt mit dem Wasserwirtschaftsamt aufzunehmen und gegebenenfalls so bald wie möglich die UVP-Verfahren (Umweltverträglichkeitsprüfung) einzuleiten, um die Ergebnisse in die Genehmigungsanträge einfließen zu lassen. Die im Rahmen des entsprechenden Gesetzes durchgeführten Umweltstudien ermöglichen es, die Fristen für die nachfolgenden Genehmigungsphasen zu optimieren.

Die wichtigsten Schritte bei einem Wasserkraft-Projekt

Wenden Sie sich an die Chambre des Métiers, bevor Sie Schritte zur Einleitung eines Wasserkraftprojekts im Rahmen Ihrer beruflichen Tätigkeit unternehmen. Vor jedem Projekt wird zudem eine Kontaktaufnahme mit der Wasserwirtschaftsbehörde empfohlen. Möglicherweise haben Sie Anspruch auf staatliche Fördermittel, die unbedingt beantragt werden müssen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten!

Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen im Bereich Wasserkraft

Jedes Wasserkraftprojekt erfordert unabhängig von seiner Größe die Durchführung von Vorstudien, um seine Auswirkungen auf das Wasser-Ökosystem zu bewerten. Vor jeder Genehmigung muss ein Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren (UVP) durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang wird eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit der Wasserwirtschaftsbehörde bereits zu Beginn des Projekts dringend empfohlen.

Um mögliche schädliche Auswirkungen zu begrenzen, kann die Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen erforderlich sein. Laut „Leitfaden für Genehmigungsverfahren für Projekte im Bereich erneuerbare Energien“ der Klima-Agence können die Kosten für diese Maßnahmen in bestimmten Fällen die Kosten der Wasserkraftanlage selbst übersteigen.