Geothermie ist erneuerbar, lokal verfügbar und stellt eine zuverlässige und nachhaltige Lösung zur Erzeugung von Wärme oder Warmwasser dar. Sie garantiert eine konstante Energieversorgung über das ganze Jahr hinweg. Diese Technologie bietet sich für Handwerksbetriebe an, die Eigentümer ihres Grundstücks sind oder eine Zustimmung des Eigentümers haben. Sie ermöglicht es, die Energieautarkie zu stärken, Kosten zu senken, den Einsatz fossiler Energien zu begrenzen und so die CO₂-Bilanz zu verbessern.
Geothermie in Unternehmen: Einsatzmöglichkeiten, Vorteile und Grenzen
Geothermie ist die Nutzung der Wärme, die im Erdinneren gespeichert ist. Je nach Tiefe, aus der die Energie gewonnen wird, kann Erdwärme oder Wärme aus Grundwasservorkommen genutzt werden, um Gebäude zu heizen und zu kühlen und so Warmwasser zu erzeugen. Man unterscheidet hauptsächlich zwischen Tiefen- und Oberflächengeothermie (unter 400 m). Letztere wird in der Regel in Unternehmen und Gebäuden genutzt. Diese erneuerbare Energie basiert auf einem einfachen Prinzip: Die unter unseren Füßen vorhandene Wärme wird aufgefangen und beispielsweise über eine Wärmepumpe oder einen Wärmetauscher in die Anlagen des Unternehmens geleitet.
Wie sieht eine geothermische Anlage aus?
Geothermie basiert auf der Wärmeübertragung vom Untergrund in ein Gebäude mithilfe eines Systems zur Wärmegewinnung und -abgabe. Je nach Tiefe und Temperatur der Ressourcen gibt es verschiedene Verfahren:
- Horizontale Erfassung: Rohre werden in geringer Tiefe (1 bis 2 Meter) verlegt. Sie nehmen die Wärme des Bodens auf, die das ganze Jahr über relativ konstant ist (8 bis 12 °C). Diese Lösung eignet sich für Grundstücke mit großer verfügbarer Fläche.
- Vertikale Erfassung: Geothermische Sonden werden bis zu einer Tiefe von 100 bis 200 Metern gebohrt. Sie entziehen die Wärme aus einem Boden, der konstanter und leistungsfähiger ist, dies bei begrenztem Flächenbedarf.
- Grundwasserentnahme: Das von Natur aus temperierte Grundwasser wird gepumpt und durchläuft einen Wärmetauscher, der seine Wärme abgibt, bevor es wieder in das Grundwasser zurückgeleitet wird.
In jedem Fall wird die gewonnene Wärme an eine geothermische Wärmepumpe weitergeleitet, die es ermöglicht, Energie für den Bedarf des Unternehmens zu erzeugen.
Das System bietet einen hohen Wirkungsgrad von etwa 4 kWh zurückgewonnener Wärme pro 1 kWh verbrauchtem Strom, abhängig von der Temperatur der Quelle und des Heizkreislaufes. Somit stellt es eine besonders effiziente Lösung für Handwerker dar, die ihre Energiekosten senken möchten.
Das Wasserwirtschaftsamt veröffentlichte 2025 den Leitfaden zur Niedertemperatur-Geothermie in Luxemburg.
Vorteile und Grenzen der Geothermie
Die Geothermie bietet zahlreiche Vorteile für Handwerksbetriebe. Der wichtigste ist, dass diese erneuerbare Energie kontinuierlich verfügbar ist. Sie ist weder von der Sonneneinstrahlung noch von den Wetterbedingungen abhängig. In Kombination mit einer Wärmepumpe, die z. B. mit Umgebungsluft als Wärmequelle arbeitet, kann sie noch effizienter genutzt werden.
Geothermie ermöglicht nicht nur die Erzeugung von Wärme, sondern auch die „passive“ Kühlung von Räumen. Im Sommer kann die natürlich niedrige Temperatur des Untergrunds direkt zur Kühlung der Räume genutzt werden. Durch diesen Prozess wird dem Boden Wärme zugeführt, was wiederum den Wirkungsgrad des geothermischen Systems für die Heizung im Winter verbessert.
Das größte Hindernis für den Einsatz von Geothermie liegt in den nach wie vor hohen Anfangsinvestitionen (Erdwärmesystem mit Erdwärmesonde, Wärmepumpe usw.), deren Amortisation sich erst langfristig einstellt.
Die Umsetzung eines Geothermieprojekts für ein Nutzgebäude oder ein Unternehmen erfordert eine eingehende technische und geologische Machbarkeitsstudie, einschließlich Bohrungen sowie behördlicher Schritte und Genehmigungsanträge. Auch der verfügbare Platz kann sich hinderlich auswirken, insbesondere bei horizontalen oder vertikalen Bohrungen, die eine an das Gelände angepasste Konfiguration erfordern.
In Luxemburg lässt sich mithilfe des Geoportals überprüfen, ob eine geothermische Anlage auf einem Grundstück realisierbar ist und genehmigt werden kann.
Warum ist Geothermie für meinen Betrieb interessant?
Wirtschaftlichkeit und finanzielle Sicherheit.
Durch die Nutzung der Erdwärme deckt die Geothermie einen Großteil des Wärmebedarfs eines Gebäudes und senkt die Energiekosten erheblich. Die Betriebskosten sind stabil und vorhersehbar, was das Unternehmen vor Schwankungen der Gas- oder Strompreise schützt.
Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks.
Da die Geothermie erneuerbare und lokale Energie nutzt, begrenzt sie die CO₂-Emissionen erheblich und steht voll und ganz im Einklang mit den Zielen der Energiewende, wodurch handwerkliche Tätigkeiten nachhaltiger werden.
Verbesserung des Komforts für Mitarbeiter.
Ein einziges System sorgt im Winter für Heizung und im Sommer für Kühlung und garantiert so das ganze Jahr über ein angenehmes Raumklima in Werkstatt, Büro und Produktion.
Verantwortungsbewusstes Engagement.
Die Umsetzung einer geothermischen Anlage unterstreicht die Anstrengungen Ihres Unternehmens, sich für eine umweltfreundliche Strategie einzusetzen und gleichzeitig sein Image bei Kunden und Partnern zu stärken.
Eine ergänzende Energiequelle.
Die Technologie eignet sich sowohl für Neubauten als auch für Sanierungsprojekte und kann mit anderen erneuerbaren Energien wie Solarthermie oder Photovoltaik kombiniert werden, um die Energieautarkie zu erhöhen und die nachhaltigen Versorgungsquellen zu diversifizieren.
Unterirdische Warmwasser-Vorkommen in Luxemburg.
Um das geothermische Potenzial des Großherzogtums zu bewerten, wurden von staatlicher Seite geologische Studien durchgeführt. Diese haben insbesondere das Vorhandensein von heißem Grundwasser in Tiefen zwischen 750 und 2.200 Metern nachgewiesen. Aktuelle Prognosen gehen von Temperaturen zwischen 40 und 70 Grad aus. Dieses Wasser stellt somit interessante potenzielle geothermische Reservoirs dar.
Die wichtigsten Schritte bei der Einführung von Geothermie in Ihrem Betrieb
Sie erwägen den Einsatz von Geothermie im Rahmen Ihrer handwerklichen Tätigkeit? Wenden Sie sich an die Chambre des Métiers, bevor Sie die ersten Schritte unternehmen. Möglicherweise haben Sie Anspruch auf staatliche Fördermittel, die unbedingt beantragt werden müssen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten!
- Bestandsaufnahme und Vorstudie
- Analyse Ihres Energiebedarfs (Wärme und Kälte) sowie des bestehenden oder geplanten Heiz-/Kühlsystems.
- Analyse des Potenzials und der Machbarkeit (technisch und genehmigungsrechtlich) für die Realisierung eines geothermischen Systems mit Hilfe eines Fachunternehmens oder eines Experten.
- Angebotsanfrage
- Definition der passenden Lösung und Überprüfung der Machbarkeit einer geothermischen Anlage mit Blick auf die Einholung von Angeboten.
- Einschätzung des Aufwands und der Wartungskosten.
- Bewertung der Amortisierung
Die Amortisationsdauer ist der Zeitraum, der erforderlich ist, in dem die Energieeinsparungen die Anschaffungskosten ausgleichen.
- Formel: Amortisationszeit (Jahre) = Anschaffungskosten / Jährliche Einsparungen
Der Return on Investment (ROI) misst die Rentabilität eines Projekts, indem er die erzielten Gewinne mit den Anschaffungskosten vergleicht.
- Formel: ROI (%) = [(Nettogewinn – Anschaffungskosten) / Anschaffungskosten] × 100
- Beantragung von Fördermitteln und Finanzierung
Ermittlung der in Frage kommenden Fördermittel. Entsprechende Anträge müssen Sie unbedingt stellen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten. - Planung, Umsetzung und Einstellungen
- Detaillierte Planung und Beantragung der Genehmigungen für die Errichtung und den Bau der Anlage.
- Erstellung eines Projektzeitplans und detaillierte Planung der Arbeiten und Maßnahmen.
- Durchführung von Bohrarbeiten, Installation der Anlage und Inbetriebnahme.
- Planen Sie eine Inbetriebnahmephase ein, um notwendige Anpassungen und Systemeinstellungen vorzunehmen zu können.
- Schulung Ihres Teams in Bezug auf neue Arbeitsabläufe und zu beachtende Sicherheitsmaßnahmen.
- Überwachung und Wartung
- Regelmäßige Überprüfung der Leistung der Wärmepumpe, der Geothermie-Temperaturen und des Wärmeverteilungssystems.
Beispiele für luxemburgische Unternehmen, die Geothermie bereits nutzen
Welche Fördermittel stehen mir für die Umsetzung einer geothermischen Anlage zur Verfügung?
Der luxemburgische Staat bietet finanzielle Fördermittel an, um die Einführung von Geothermieanlagen in Unternehmen zu unterstützen.
- Investitionsbeihilfe zum Umweltschutz
- Unternehmen, die ein Projekt zur ökologischen und energetischen Wende durchführen, können eine Steuervergünstigung in Anspruch nehmen. Diese richtet sich nach den im Rahmen eines Projekts zur ökologischen und Energiewende getätigten Investitionen und Betriebsausgaben.
- Fit4 Sustainability oder Umweltstudie zur Durchführung einer technisch-wirtschaftlichen Analyse.
- Verschiedene Förderprogramme der Stromversorger, wie beispielsweise das Programm „enoprimes“, sind mit staatlichen Beihilfen kumulierbar.
- Entdecken Sie auch unsere Broschüre mit den staatlichen Beihilfen für die Umsetzung von Dekarbonisierungsmaßnahmen.
Unterstützung beim Einstieg
In Luxemburg gibt es mehrere Instrumente und Anlaufstellen, die Unternehmen bei der Dekarbonisierung sowie der Finanzierung von Projekten, der Anschaffung von Ausrüstung oder bei Energieaudits unterstützen.
Die Chambre des Métiers kann Ihnen eine Orientierung in folgende Richtungen geben:
- Fördermittel für die Nutzung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz, insbesondere über das „Klimaprogramm Handwierk“, eine Initiative der Handwerkskammer (Partner des Programms „Klima Pakt fir Betriber“), die allgemeine Informationen zur Dekarbonisierung von Unternehmen bereitstellt;
- Programme für technische Beratung und Audits (Experten und Berater);
- Schulungen und Informationsveranstaltungen für Ihr Team.
Über das vom „ KlimaPakt fir Betriber “ bereitgestellte Online-Tool können Sie die bestehenden Maßnahmen zur Unterstützung Ihres Unternehmens entdecken (kreuzen Sie „Handwerk“ in der linken Spalte an). Sie können sich auch von den zur Verfügung gestellten Fallbeispielen inspirieren lassen.
Luxinnovation begleitet Unternehmen im Rahmen der Investitionsförderung für den Umweltschutz sowie bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Entdecken Sie auch die von Luxinnovation entwickelte Übersicht über Akteure im Bereich Nachhaltigkeit: eine Übersicht des luxemburgischen Ökosystems für Nachhaltigkeitsförderer.
Der Service eHandwierk und die Berater der Chambre des Métiers [CDM – Sustainable Handwierk Home / Link] stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung, um Sie über die für Sie am besten geeigneten Maßnahmen zu informieren.
Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen im Bereich Geothermie
Die Geothermie ist in Luxemburg aufgrund der hohen Anfangskosten, der komplexen Verwaltungsabläufe und der Bohrbeschränkungen zum Schutz des Grundwassers noch wenig verbreitet. Die geothermische Zoneneinteilung schränkt die Bohrmöglichkeiten in dicht besiedelten Gebieten oder in Trinkwasserschutzgebieten ein. Technologische Fortschritte, der allmähliche Preisrückgang bei Wärmepumpen und die Weiterentwicklung der Bohrtechniken steigern jedoch die Attraktivität dieser Energieform.
Pilotprojekte zeigen, dass dank kompakter vertikaler Sonden oder in Fundamente integrierter Energiepfähle auch in dicht besiedelten Gebieten Lösungen vorhanden sind. Seismische Untersuchungen haben im Süden des Landes, insbesondere in Dudelange, ein vielversprechendes geothermisches Potenzial aufgezeigt, mit Grundwasser, das in 2 200 Metern Tiefe bis zu 86 °C erreicht.
Das Projekt „Strassen 2030“ veranschaulicht die Integration der Geothermie in gemischt genutzte Stadtviertel unter Berücksichtigung einer strengen Umweltplanung.
Das Projekt „Rout Lëns“ in Esch-sur-Alzette legt den Grundstein für ein neues System, das auf einem Kältenetz (dank geothermischer Sonden) in Kombination mit Wärmepumpen und der Nutzung von Photovoltaikanlagen basiert.