Die Beheizung von Gebäuden macht den größten Teil des Energieverbrauchs in Europa und weltweit aus. Fernwärmenetze spielen eine zentrale Rolle bei der Energiewende, indem sie die Integration erneuerbarer oder zurückgewonnener Energiequellen erleichtern. Sie gewährleisten eine stabile und optimierte Wärmeversorgung und fördern gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren bei der Erreichung der Dekarbonisierungsziele.

Wenn Heizung und Warmwasser gemeinsam verteilt werden

Ein Fernwärmenetz ermöglicht die gemeinsame Versorgung mehrerer Einrichtungen mit Heizwärme und Warmwasser. Konkret erzeugt ein zentrales Heizwerk Wärme und verteilt diese über ein unterirdisches Rohrleitungssystem an eine Gruppe von Gebäuden oder im Falle einer Fernwärmeversorgung sogar an ganze Stadtteile. Wenn es auf erneuerbaren Energien basiert (z. B.: Biomasse oder Geothermie), handelt es sich um eine umweltfreundliche Lösung, von der alle Nutzer des Netzes profitieren. Die Ausgangsenergie kann auch aus der Wärmerückgewinnung stammen (z. B.: industrielle Prozesse, Abfallbehandlungsanlagen, Rechenzentren).

Jedes an ein Fernwärmenetz angeschlossene Gebäude verfügt über eine Übergabestation (einen Wärmetauscher) und einen Zähler, wodurch der Verbrauch genau gemessen werden kann und jeder Nutzer für seinen Energieverbrauch sensibilisiert wird.

Die Verwaltung solcher Anlagen kann durch öffentliche Einrichtungen wie Gemeinden oder durch private Betreiber erfolgen.

Die Vorteile und Grenzen von Fernwärmenetzen

Für Unternehmen, die sich für den Anschluss an ein Fernwärmenetz entscheiden, lassen sich die jährlich erzielbaren Einsparungen anhand des Bedarfs an Heizung und Warmwasser, der Gebäudeeigenschaften und der Leistung des derzeitigen Heizsystems berechnen.

Insgesamt ermöglichen Fernwärmenetze, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, die Vermeidung von Tausenden Tonnen CO₂-Emissionen. Dies liegt daran, dass sie zahlreiche, oft fossile Einzelanlagen durch eine effizientere, zentralisierte Erzeugung ersetzen, die erneuerbare oder Rückgewinnungsquellen leichter integrieren kann.

Der Anschluss an einen bestehenden Standort erfordert jedoch umfangreiche Arbeiten, die von verschiedenen Faktoren abhängen, wie z.B. von der Lage des Gebäudes im Verhältnis zum bestehenden Netz oder der Art der Bestands-Heizungsanlage. Insbesondere müssen Straßen und Gehwege aufgebrochen und die Installation der Wärmeübertragungsstation vorgesehen werden. Letztere ersetzt den vorhandenen Heizkessel, der entfernt werden kann, was einen deutlichen Platzgewinn darstellt.

Inwiefern ist der Anschluss an ein Fernwärmenetz für mein Unternehmen sinnvoll?

Fernwärmenetze können den Bedarf an Heizung, Warmwasser und sogar Kühlung von Handwerksbetrieben durchaus decken. Ein gutes Beispiel in Luxemburg ist der Automobility Incubator in Bissen. Das Gebäude, in dem er untergebracht ist, setzt auf mehrere Lösungen, um seinen CO2-Fußabdruck zu verringern: Photovoltaikmodule, Regenwassernutzung, hochwertige Dämmung, aber auch einen Anschluss an das Kiowatt-Fernwärmenetz, das eine Energieversorgung aus 100 % erneuerbaren Energien garantiert.

In Luxemburg ist Kiowatt auf die großtechnische Biomasse-Trigeneration spezialisiert und erzeugt sowie verteilt Strom, Wärme und Kälte. Zu den Aktivitäten des Unternehmens gehört die Versorgung eines Fernwärmenetzes, das das Gewerbe- und Handelsgebiet Klengbousbierg, den Luxembourg Automobility Campus sowie die kommunalen Gebäude in Bissen versorgt. Durch die Nutzung einer erneuerbaren Ressource – Pellets aus Sägemehl aus unserer Region – trägt dieses System zu einer erheblichen Reduzierung der CO₂-Emissionen bei.

Die Vorteile eines Anschlusses an ein Fernwärmenetz

Ein Fernwärmenetz, das seine Energie aus erneuerbaren Quellen bezieht, bietet den angeschlossenen Unternehmen zahlreiche Vorteile:

  • Wirtschaftlich: Der Anschluss an ein Fernwärmenetz ermöglicht es, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern und starke Preisschwankungen zu vermeiden, was für mehr Kostenstabilität sorgt. Da kein Schornstein und kein Heizkessel vorhanden sind, werden zudem die Wartungskosten minimiert. Auch die Kosten für die Installation oder den Austausch von Anlagen werden eingespart. Skaleneffekte sorgen dafür, dass von Preisen profitiert wird, die unter denen herkömmlicher Energieträger liegen.
  • Umweltfreundlich: Wenn die gelieferte Wärme ganz oder teilweise aus erneuerbaren Ressourcen stammt, trägt dies dazu bei, die CO₂-Emissionen der angeschlossenen Unternehmen deutlich zu senken.
  • Lokale Energie: Durch die Entscheidung für ein Fernwärmenetz unterstützt das Unternehmen die lokale Energieerzeugung und fördert kurze Wege sowie die regionale Entwicklung.
  • Stabilität: Technologische Weiterentwicklungen oder Leistungsverbesserungen erfolgen direkt auf Ebene des Kraftwerks, ohne dass Änderungen an den Anlagen der angeschlossenen Unternehmen erforderlich sind.

Aktionsplan für den Anschluss an ein Fernwärmenetz

Wenden Sie sich an die Chambre des Métiers, ehe Sie Schritte für Ihr Projekt zum Anschluss an ein Fernwärmenetz im Rahmen Ihrer Tätigkeit einleiten. Möglicherweise haben Sie Anspruch auf staatliche Fördermittel, die unbedingt beantragt werden müssen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten!

  1. Bestandsaufnahme und Vorstudie
  • Analyse Ihres Energiebedarfs (Heizung und Warmwasser) und des bestehenden Heizungssystems
  • Analyse des Potenzials und der Machbarkeit (technisch und genehmigungsrechtlich) für den Anschluss an ein Fernwärmenetz
  1. Angebotsanfrage
  • Prüfung der Machbarkeit des Projekts
  • Bewertung der Anforderungen, Einschränkungen, Anschlussbedingungen und zu erwartenden Kosten
  1. Bewertung der Amortisation

Die Amortisationsdauer ist der Zeitraum, der erforderlich ist, in dem die Energieeinsparungen die Anschaffungskosten ausgleichen.

Formel: Amortisationszeit (Jahre) = Anschaffungskosten / Jährliche Einsparungen

Der Return on Investment (ROI) misst die Rentabilität eines Projekts, indem er die erzielten Gewinne mit den Anschaffungskosten vergleicht.

Formel: ROI (%) = [(Nettogewinn – Anschaffungskosten) / Anschaffungskosten] × 100

  1. Beantragung von Fördermitteln und Finanzierungen

Ermittlung der in Frage kommenden Fördermittel. Entsprechende Anträge müssen Sie unbedingt stellen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten.

  1. Planung und Umsetzung
  • Anschluss an das Fernwärmenetz
  • Montage und Anschluss der Wärmeübertragungsstation
  • Anschluss und eventuelle Umbauten der Heizungsverteilungsanlage (Sekundärkreislauf) an die Wärmeübertragungsstation durch das Unternehmen oder dessen Installateur
  • Einreichung eines Antrags auf Inbetriebnahme durch das Unternehmen oder dessen Installateur
  • Inbetriebnahme
  1. Überwachung und Wartung

Reinigung und Überprüfung der Wärmetauscher/Anlagen, um einen hohen Wirkungsgrad aufrechtzuerhalten und die Anlagen regelmäßig zu überwachen.

Beispiele für luxemburgische Unternehmen, die sich für den Anschluss an ein Fernwärmenetz entschieden haben

Das ECCO-Gebäude in der Cloche d’Or in Luxemburg beherbergt ein Fernheizwerk und eine Hochspannungsumspannstation, um die beiden im Aufbau befindlichen Stadtteile (Ban de Gasperich und Cloche d’Or) mit Wärme (aus der Müllverbrennung) und Strom zu versorgen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Das Kraftwerk in Kirchberg, das seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2001 Wärme aus Erdgas erzeugte, wurde in zwei Umbauphasen umgestaltet, um eine bessere CO₂-Bilanz zu erzielen. Heute wird der Wärmebedarf des Kirchbergs zu mehr als 90 % durch erneuerbare Energien gedeckt, was im Vergleich zur Ausgangssituation eine Einsparung von 37.000 Tonnen CO₂ pro Jahr bedeutet.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Welche Fördermittel stehen mir für den Anschluss an ein Fernwärmenetz zur Verfügung?

Der luxemburgische Staat bietet finanzielle Förderungen an, um den Anschluss an ein Fernwärmenetz zu fördern.

  • Investitionsbeihilfe zum Umweltschutz
  • Unternehmen, die ein Projekt zur ökologischen und energetischen Wende durchführen, können eine Steuervergünstigung in Anspruch nehmen. Diese richtet sich nach den im Rahmen eines Projekts zur ökologischen und Energiewende getätigten Investitionen und Betriebsausgaben.
  • Fit4 Sustainability oder Umweltstudie zur Durchführung einer technisch-wirtschaftlichen Analyse.
  • Verschiedene Förderprogramme der Stromversorger, wie beispielsweise das Programm „enoprimes“, sind mit staatlichen Beihilfen kumulierbar.
  • Entdecken Sie auch unsere Broschüre mit den staatlichen Beihilfen zur Umsetzung von Dekarbonisierungsmaßnahmen.

Unterstützung beim Einstieg

In Luxemburg gibt es mehrere Instrumente und Anlaufstellen, die Unternehmen bei der Dekarbonisierung sowie der Finanzierung von Projekten, der Anschaffung von Ausrüstung oder bei Energieaudits unterstützen.

Die Chambre des Métiers kann Ihnen eine Orientierung in folgende Richtungen geben:

  • Fördermittel für die Nutzung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz, insbesondere über das „Klimaprogramm Handwierk“, eine Initiative der Chambre des Métiers (Partner des Programms „Klima Pakt fir Betriber“), die allgemeine Informationen zur Dekarbonisierung von Unternehmen bereitstellt;
  • Programme für technische Beratung und Audits (Experten und Berater);
  • Schulungen und Informationsveranstaltungen für Ihr Team.

Über das vom KlimaPakt fir Betriber “ bereitgestellte Online-Tool können Sie die bestehenden Maßnahmen zur Unterstützung Ihres Unternehmens entdecken (kreuzen Sie „Handwerk“ in der linken Spalte an). Sie können sich auch von den zur Verfügung gestellten Fallbeispielen inspirieren lassen.

Luxinnovation begleitet Unternehmen im Rahmen der Investitionsförderung für den Umweltschutz sowie bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Entdecken Sie auch die von Luxinnovation entwickelte Übersicht über Akteure im Bereich Nachhaltigkeit: eine Übersicht des luxemburgischen Ökosystems für Nachhaltigkeitsförderer.

Der Service eHandwierk und die Berater der Chambre des Métiers [CDM – Sustainable Handwierk Home / Link] stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung, um sie über die für Sie am besten geeigneten Maßnahmen zu informieren.

Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen

Im integrierten nationalen Energie- und Klimaplan Luxemburgs (PNEC) fördert die Regierung den Ausbau der Fernwärmenetze und die Entwicklung individueller Anschlüsse. Die Gründung einer nationalen Gesellschaft, die für den Besitz, den Bau und den Betrieb solcher Netze zuständig ist, wird derzeit geprüft.

In wirtschaftlicher Hinsicht hängt die Rentabilität eines Fernwärmenetzes weitgehend von der Anzahl der Anschlüsse ab. Diese werden jedoch meist erst beim Austausch individueller Heizungssysteme und nicht bereits bei der Errichtung des Netzes vorgenommen. Für Handwerksbetriebe ist der Anschluss an ein Fernwärmenetz daher vor allem dann sinnvoll, wenn ein solches Netz in der Nähe verfügbar ist.