Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die digitale Welt für 2,1 % bis 3,9 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Das mag wenig erscheinen, doch zum Vergleich: Wäre die digitale Welt ein Land, würde sie das 5,5fache an Treibhausgas ausstoßen wie Frankreich. Zudem wird sich diese Umweltbelastung in den kommenden Jahren noch verstärken, da die Nutzung, die Anzahl der Geräte und die Zahl der Nutzer zunehmen. Darüber hinaus könnte der Stromverbrauch der Digitalbranche innerhalb von zwei Jahren um 75 % steigen, was vor allem auf den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz zurückzuführen ist.
In Unternehmen lassen sich die Umweltauswirkungen von IT-Geräten reduzieren, indem man sich für generalüberholte Geräte entscheidet, erneuerbare Energien zur Kühlung der Serverräume nutzt und im Alltag umweltbewusste Gewohnheiten pflegt.
Bewährte Maßnahmen, die den Unterschied machen
In einem Handwerksbetrieb gibt es mehrere Maßnahmen, mit denen sich die ökologischen Auswirkungen digitaler Geräte verringern und Energie einsparen lässt:
- nachhaltig einkaufen: Geräte mit Umweltzeichen (z. B. EPREL, Ecolabel, TCO Certified, Blue Angel), Wiederverwendung, recycelte Komponenten;
- die Anzahl der Geräte reduzieren: z. B. durch gemeinsame Nutzung, durch Einschränkung von Ersatzanschaffungen;
- die Lebensdauer der Geräte verlängern: reparieren, umfunktionieren, vorzeitigen Austausch vermeiden;
- Nutzung optimieren: Bestände verwalten, Standby-Einstellungen, Energieverbrauch der Geräte begrenzen;
- Reduzierung von Datenströmen, Datenvolumen und gespeicherten Daten.
Auch das individuelle Verhalten hat in der Summe einen Einfluss auf den Energieverbrauch. Man sollte daher alle Mitarbeiter für eine intelligente und energiesparende Nutzung der Geräte sensibilisieren. Hier sind einige Beispiele für Maßnahmen am Arbeitsplatz, die sich positiv auswirken können:
- Computer auf den „Energiesparmodus“ einstellen und ihn ausschalten, wenn man länger als eine Stunde abwesend ist, anstatt ihn im Standby-Modus zu lassen;
- WLAN am Arbeitsplatz statt des mobiles Datenvolumens nutzen;
- E-Mail-Postfach regelmäßig aufräumen: Spam löschen, Newsletter abbestellen, die man nicht liest, usw.;
- Einsatz generativer künstlicher Intelligenz für die Informationssuche oder die Übersetzung von Texten vermeiden.
Alle Unternehmen, die digitale Geräte oder Dienste nutzen, sind betroffen
Die Maßnahmen zur Verringerung der Auswirkungen von IT-Geräten betreffen alle Handwerksbetriebe, die über ein Mindestmaß an digitaler Ausstattung verfügen:
- Arbeitsplätze mit Computern oder Tablets;
- Lokaler Server oder NAS (Network Attached Storage, d. h. ein dediziertes Dateispeichersystem);
- Drucker, angeschlossene Peripheriegeräte;
- Cloud-Nutzung oder externes Hosting (über einen Dienstleister).
Die positiven Folgen der Maßnahmen sind vielfältig:
- Kostensenkung
Reduzierte Anschaffungen von Hardware (dank längerer Lebensdauer), geringerer Stromverbrauch, möglicherweise geringere Lagerkosten.
- Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks und der Umweltbelastung
Durch den bewussten Kauf nachhaltigerer IT-Hardware und die Optimierung der Nutzung bzw. des Lebenszyklus verringert das Unternehmen seine Auswirkungen auf Ressourcen und seine Emissionen. - Verbesserung des Arbeitskomforts und der Leistung
Eine optimal gesteuerte IT-Infrastruktur, besser geeignete Geräte und eine kontrollierte Nutzung können die Zuverlässigkeit der Geräte erhöhen und Ausfälle verringern.
In Luxemburg arbeiten Rechenzentren daran, ihre Energieeffizienz zu verbessern und ihren CO₂-Fußabdruck zu verringern. Einige haben sogenannte „Free-Cooling“-Systeme entwickelt: Sie nutzen die Umgebungstemperatur, um auf einen Kühler oder Kompressor zu verzichten und die riesigen Server auf sicheren Temperaturen zu halten. In Bissen gilt das mehrstöckige Rechenzentrum von LuxConnect als das weltweit erste „grüne“ Rechenzentrum. In Gasperich nutzt der European Data Hub ebenfalls zu 100 % erneuerbare Energien.
Maßnahmen zur Optimierung Ihres IT-Bestands
Optimierung der Verwaltung des IT-Bestands und der Einstellungen
- Einführung einer aktiven Geräteverwaltung zur Verbesserung der Nutzung: Bestandsaufnahme von Computern, Druckern, Servern und Peripheriegeräten sowie Bewertung ihrer Nutzung und ihres Zustands.
- Aktivieren Sie den „Standby“-Modus oder die automatische Abschaltung der Arbeitsplätze am Ende des Tages oder bei Inaktivität, um den „Standby-Verbrauch“ zu reduzieren. Möglichkeit, ON/OFF-Steckdosenleisten zur Steuerung der Standby-Zeiten zu verwenden.
- Unnötig gespeicherte Datenmengen begrenzen, inaktive Dateien archivieren/löschen und E-Mail-Postfächer bereinigen: Diese Maßnahmen verringern die Belastung der Systeme (Speicher, Server) und indirekt den Verbrauch.
Verlängerung der Lebensdauer der Geräte und Rationalisierung der Anschaffungen
- Anstatt Geräte nach kurzer Zeit zu ersetzen, sollte eine Nachrüstung oder Reparatur in Betracht gezogen werden.
- Setzen Sie noch leistungsfähige Geräte innerhalb des Unternehmens anderweitig ein, anstatt systematisch neue anzuschaffen.
- Setzen Sie auf die Anschaffung nachhaltiger, reparierbarer oder sogar generalüberholter Geräten bzw. solchen, die recycelte Materialien enthalten.
- Reduzieren Sie die Gesamtzahl der Geräte, um eine Überdimensionierung des IT-Bestands zu vermeiden, sofern dies die Leistung und Produktivität des Unternehmens nicht beeinträchtigt.
Wissenswert: Für bestimmte im Unternehmen verwendete Geräte, wie Laptops oder Bildschirme, die unter die von Ecotrel abgedeckten Kategorien fallen, werden die Sammlung und das Recycling über einen Recyclingbeitrag finanziert. Dieser wird bereits bei der Markteinführung in Luxemburg erhoben. Ihre Rücknahme kann daher kostenlos über die vorgesehenen Kanäle erfolgen. Was industrielle und gewerbliche Geräte betrifft, so müssen diese an einen spezialisierten Entsorgungskanal oder einen zugelassenen Sammelbetrieb weitergeleitet werden, um eine vorschriftsmäßige Entsorgung am Ende ihrer Lebensdauer zu gewährleisten.
Wenn ein Gerät noch funktionsfähig ist, kann vor dem Recycling eine Wiederverwendung in Betracht gezogen werden. In Luxemburg ermöglicht die Initiative „Social ReUse“ von Ecotrel in Zusammenarbeit mit Digital Inclusion die Abgabe bestimmter Geräte (Smartphones, PCs usw.), damit diese wiederaufbereitet und an bedürftige Personen weitergegeben werden können.
Einsatz energieeffizienter Geräte und Dienste
- Achten Sie beim Kauf auf Energieeffizienzklassen und geben Sie Geräten mit geringem Energieverbrauch den Vorzug.
- Wählen Sie Server oder Hosting-Lösungen, die der Größe des Unternehmens entsprechen.
- Nutzen Sie Cloud- oder gehostete Dienste, wenn dies eine gemeinsame Nutzung und Optimierung des Energieverbrauchs ermöglicht, anstatt einen möglicherweise nicht ausgelasteten internen Server zu betreiben.
- Geräte und Dienste so konfigurieren, dass sie möglichst wenig Energie verbrauchen.
Leasing der IT-Ausstattung
Leasing ermöglicht es Unternehmen, ihren IT-Bestand zu finanzieren, ohne sofort die gesamten Anschaffungskosten tragen zu müssen. Diese Option hilft, die Ausgaben über einen längeren Zeitraum zu verteilen, und kann nützliche Dienstleistungen für die Verwaltung der Geräte umfassen. Im Rahmen einer nachhaltigen Digitalisierung kann Leasing auch die Rücknahme der Geräte am Vertragsende, ihre Rückverfolgbarkeit, Aufarbeitung und Wiederverwendung erleichtern. Es ist jedoch wichtig, die tatsächlichen Bedürfnisse des Unternehmens im Blick zu behalten, um eine zu häufige Erneuerung der Geräte zu vermeiden.
Aktionsplan zur Verbesserung der Energieeffizienz Ihres IT-Bestands
Wenden Sie sich an die Chambre des Métiers, ehe Sie Schritte für etwaige IT-Projekte einleiten. Sie könnten staatliche Fördermittel in Anspruch nehmen, die unbedingt beantragt werden müssen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten!
1. Bestandsaufnahme und Vorstudie
- Machen Sie eine Bestandsaufnahme der IT-Ausstattung.
- Ermitteln Sie die tatsächliche Nutzung sowie ungenutzte oder veraltete Geräte.
- Analysieren Sie den Energieverbrauch der Endgeräte und der Serverinfrastruktur.
- Sensibilisierung und Steuerung:
- Durchführung eines internen oder externen Audits, um „Verschwendung“ digitaler Energie aufzudecken und die wirksamsten Maßnahmen zu priorisieren;
- Schulung der Mitarbeiter in bewährten Maßnahmen;
- Indikatoren zur Überwachung einführen: Stromverbrauch der Arbeitsplätze, Anzahl der aktiven Geräte, Druckvolumen, durchschnittliche Lebensdauer.
2. Angebotsanfrage
- Maßnahmen nach ihrer Wirkung und Durchführbarkeit priorisieren.
- Schnelle Erfolge identifizieren.
3. Bewertung der Amortisation
Bestimmung des Zeitraums, der erforderlich ist, damit die Energieeinsparungen die Investitionskosten ausgleichen.
4. Beantragung von Fördermitteln und Finanzierungen
Ermittlung der in Frage kommenden Fördermittel. Entsprechende Anträge müssen Sie unbedingt stellen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten.
- Planung und Umsetzung
- Modernisierung des Bestands:
- Lebensdauer der Anlagen (Modernisierung, Reparaturen usw.) verlängern.
- Energieintensive Anlagen durch effizientere oder zertifizierte Geräte ersetzen.
- Reduzierung der Anzahl der Geräte durch Rationalisierung des Bedarfs reduzieren.
- Optimierung der Nutzung:
- Standby-Modus, automatische Abschaltung usw.
- Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeiter
- Überwachung und Wartung
- Einführung von Indikatoren
- Regelmäßige Neubewertung der Wirksamkeit der Maßnahmen und Anpassung entsprechend den Ergebnissen.
- Neue Möglichkeiten zur Energieeinsparung identifizieren (z. B. geeignete Cloud-Lösungen, gemeinsame Nutzung, Auslagerung des Serverbetriebs usw.).
Beispiele für luxemburgische Unternehmen, die ihren IT-Bestand optimiert haben
Die Universität Luxemburg hat eine Sensibilisierungskampagne für ihre Mitarbeiter gestartet, um diese zu energiesparendem Verhalten zu ermutigen
Entdecken Sie die entsprechende Fallstudie auf der Website des Programms „Klimapakt fir Betrieber“.
Welche Fördermittel stehen mir zur Verfügung, um meinen IT-Bestand zu verbessern?
Der luxemburgische Staat bietet finanzielle Förderungen für Lösungen zur Verbesserung der IT-Ausstattung zu fördern.
- Das Programm SME Packages – Sustainability bietet kleinen und mittleren Unternehmen Unterstützung und finanzielle Hilfe für nachhaltige Investitionen in Höhe von 3.000 € bis zu 25.000 € (ohne MwSt.).
- Investitionsbeihilfe zum Umweltschutz
- Unternehmen, die ein Projekt zur ökologischen und energetischen Wende durchführen, können eine Steuervergünstigung in Anspruch nehmen. Diese richtet sich nach den im Rahmen eines Projekts zur ökologischen und Energiewende getätigten Investitionen und Betriebsausgaben.
- Fit4 Sustainability oder Umweltstudie zur Durchführung einer technisch-wirtschaftlichen Analyse.
- Verschiedene Förderprogramme der Stromversorger, wie beispielsweise das Programm „enoprimes“, sind mit staatlichen Beihilfen kumulierbar.
- Entdecken Sie auch unsere Broschüre mit den staatlichen Beihilfen zur Umsetzung von Dekarbonisierungsmaßnahmen.
Unterstützung beim Einstieg
In Luxemburg gibt es mehrere Instrumente und Anlaufstellen, die Unternehmen bei der Dekarbonisierung sowie der Finanzierung von Projekten, der Anschaffung von Ausrüstung oder bei Energieaudits unterstützen.
Die Chambre des Métiers kann Ihnen eine Orientierung in folgende Richtungen geben:
- Fördermittel für die Nutzung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz, insbesondere über das „Klimaprogramm Handwierk“, eine Initiative der Chambre des Métiers (Partner des Programms „Klima Pakt fir Betriber“), die allgemeine Informationen zur Dekarbonisierung von Unternehmen bereitstellt;
- Programme für technische Beratung und Audits (Experten und Berater);
- Schulungen und Informationsveranstaltungen für Ihr Team.
Über das vom „ KlimaPakt fir Betriber “ bereitgestellte Online-Tool können Sie die bestehenden Maßnahmen zur Unterstützung Ihres Unternehmens entdecken (kreuzen Sie „Handwerk“ in der linken Spalte an). Sie können sich auch von den zur Verfügung gestellten Fallbeispielen inspirieren lassen.
Luxinnovation bietet finanzielle Unterstützung für Unternehmen, die in ein Projekt investieren möchten, das ihre Umweltbelastung verringert. Entdecken Sie auch die von Luxinnovation entwickelte Übersicht über die Akteure im Bereich Nachhaltigkeit: Kartografie des Ökosystems der Nachhaltigkeitsförderer in Luxemburg.
Der Service eHandwierk und die Berater der Chambre des Métiers [CDM – Sustainable Handwierk Home / Link] stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung, um sie über die für Sie am besten geeigneten Maßnahmen zu informieren.
Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen
Für kleine und mittlere Unternehmen stellt die Optimierung ihres IT-Bestands oft noch eine Herausforderung dar, vor allem aufgrund der anfänglichen Investitionskosten sowie des Mangels an Zeit und internen Kompetenzen, um diese Veränderungen zu steuern. Die zunehmende Komplexität der Technologien kann für manche Handwerksbetriebe ebenfalls ein Hindernis sein. In den kommenden Jahren dürften jedoch mehrere Entwicklungen diesen Übergang erleichtern. Dienstleistungslösungen (Wartung, Speicherung, Software) ermöglichen es Unternehmern, nicht mehr alles alleine bewältigen zu müssen. Umgekehrt erfordern gesetzliche Vorgaben zur Nachhaltigkeit eine bessere Kontrolle des Energieverbrauchs von IT-Geräten.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Handwerksbetriebe daher vorausschauend handeln: die schrittweise Erneuerung ihrer Geräte planen, sich in verantwortungsvollen digitalen Tools schulen lassen, oder sich dabei unterstützen lassen, und den Energieverbrauch als eigenständiges Kriterium in ihre Kaufentscheidungen einbeziehen.