Biomasse und Biogas bieten eine nachhaltige Lösung, um Ihre Räumlichkeiten zu heizen, Strom zu erzeugen oder Ihre Fahrzeuge zu betanken – und gleichzeitig Ihre Energiekosten und Ihren CO2-Fußabdruck zu senken. Durch die Verwertung organischer Stoffe wie Holz, landwirtschaftliche Rückstände oder Lebensmittelabfälle können Sie in Ihrem Betrieb grüne Energie erzeugen und Ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Sie können Ihre organischen Abfälle auch an ein Verwertungszentrum oder ein Energieerzeugungsunternehmen (Strom oder Wärme) liefern.
Energieerzeugung aus Biomasse: Ist das für mein Unternehmen sinnvoll?
Je nach Tätigkeitsbereich können Unternehmen entweder ihre eigenen organischen Abfälle pflanzlichen oder tierischen Ursprungs verwerten oder sich entsprechende Rohstoffe anderweitig beschaffen, um diese in Energie umzuwandeln. Darüber hinaus ermöglicht Biomasse eine lokale Energieerzeugung in kurzen Kreisläufen, wodurch die Abhängigkeit von „klassischen“ Energieversorgern verringert werden kann.
Zu den betreffenden organischen Abfällen gehören beispielsweise:
- Holz und Holznebenprodukte: Späne, Sägemehl sowie gebrauchte, unbehandelte und nicht pfandpflichtige Paletten. Dies betrifft beispielsweise Tischlereien und Forstunternehmer.
- Grünabfälle: Rasenschnitt, Laub, Schnittabfälle. Dies betrifft insbesondere Floristen und Gärtner.
- bestimmte organische Produktionsabfälle: Gemüseschalen, Altöl. Dies betrifft Handwerksbetriebe aus dem Lebensmittelbereich.
Beispielsweise kann eine Tischlerei, die über eine Werkstatt und einen Lagerbereich verfügt und jeden Monat mehrere Kubikmeter unbehandeltes Sägemehl, Späne und Holzabfälle produziert, ihre organischen Abfälle verwerten, indem sie einen Holzhackschnitzel-Heizkessel zur Beheizung ihrer Werkstatt nutzt (siehe Beispiel unten).
Biogas: eine vielseitig nutzbare Energiequelle
Biogas ist eine spezielle Form der Verwertung von Biomasse durch Methanisierung: ein natürlicher Prozess der Vergärung organischer Stoffe unter Ausschluss von Sauerstoff. Dieses Gas, dessen Eigenschaften denen von Erdgas ähneln, kann zur Erzeugung von Wärme und Strom genutzt oder nach Reinigung und erteilter Genehmigung durch den Netzbetreiber in das städtische Gasnetz eingespeist werden.
Es kann sogar als Kraftstoff für Motoren oder als Düngemittel verwendet werden. Darüber hinaus kann Biogas aus Abfällen der Lebensmittelindustrie (Schlachthöfe, Weinberge, Molkereien usw.) oder aus Kläranlagen gewonnen werden.
Biogas oder Bioerdgas für Fahrzeuge ist eine Lösung für die Kraftstoffversorgung bestimmter Fahrzeugflotten, insbesondere für Gewerbetreibende, die täglich zahlreiche Lieferungen oder Touren durchführen.
Nutzung von Biomasse/Biogas: Wie fange ich an?
Wenden Sie sich an die Chambre des Métiers, ehe Sie Schritte im Zusammenhang mit der Nutzung/Erzeugung von Biomasse oder Biogas im Rahmen Ihrer betrieblichen Tätigkeit unternehmen. Möglicherweise haben Sie Anspruch auf staatliche Fördermittel, die unbedingt beantragt werden müssen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten!
- Bestandsaufnahme und Vorstudie
- Verwertung Ihrer eigenen organischen Abfälle oder Bezug von einem Dritten.
- Wenn Sie Ihre eigenen organischen Abfälle verwerten können: Ermittlung der Mengen pro Tag / Woche / Monat / Jahr entsprechend Ihrem Herstellungsprozess.
- Wenn die Versorgung über einen Drittanbieter erfolgen soll: Suche nach einem Partner, wie beispielsweise einer Genossenschaft oder einem lokalen Projekt, der den ermittelten Bedarf deckt (gemeinsame Biomasse-Heizungsanlage, Biogasanlage).
- Analyse Ihres Energiebedarfs (Wärme, Strom).
- Bewertung des Verwertungskonzepts, falls erforderlich, z. B.: erforderlicher Platz und Logistik, mit Hilfe eines Experten / Suche nach geeigneten Partnern zur Umsetzung des Projekts.
- Einholung von Angeboten
- Ermittlung der Lösung und Prüfung der Machbarkeit des Biomasse-/Biogas-Projekts mit Blick auf die Einholung von Angeboten.
- Bewertung der Wartungsanforderungen und -kosten.
- Bewertung der Amortisierung
- Analyse der Betriebskosten und der Zeit, die erforderlich ist, bis die Energieeinsparungen die anfänglichen Investitionskosten kompensieren.
Die Amortisationsdauer ist der Zeitraum, der erforderlich ist, in dem die Energieeinsparungen die Anschaffungskosten ausgleichen.
- Formel: Amortisationszeit (Jahre) = Anschaffungskosten / Jährliche Einsparungen
Der Return on Investment (ROI) misst die Rentabilität eines Projekts, indem er die erzielten Gewinne mit den Anschaffungskosten vergleicht.
- Formel: ROI (%) = [(Nettogewinn – Anschaffungskosten) / Anschaffungskosten] × 100
- Erstellung eines Plans zur möglichen Kostenteilung, z. B. durch ein Gemeinschaftsprojekt oder eine Genossenschaft.
- Beantragung von Fördermitteln und Finanzierungen
- Ermittlung der in Frage kommenden Fördermittel. Entsprechende Anträge müssen Sie unbedingt stellen, bevor Sie einen Auftrag unterzeichnen oder eine Anzahlung leisten.
- Planung, Umsetzung und Inbetriebnahme
- Detaillierte Planung und Beantragung der Genehmigungen für die Installation und den Bau der Anlage.
- Erstellung eines Zeitplans für das Projekt, die Arbeiten und die Maßnahmen.
- Einplanen einer Inbetriebnahme-Phase, um notwendige Anpassungen und Systemeinstellungen vornehmen und die adäquate Logistik gewährleisten zu können.
- Schulung Ihres Teams in Bezug auf neue Arbeitsabläufe und zu beachtende Sicherheitsmaßnahmen.
- Überwachung und Wartung
- Regelmäßige Überprüfung der Leistung des Systems und Schulung des Teams zur Erkennung von Anomalien und Verschwendung.
- Einführung einer Strategie zur kontinuierlichen Verbesserung, die sich an der Weiterentwicklung der Werkstatt orientiert.
Beispiele luxemburgischer Unternehmen, die Biomasse oder Biogas bereits nutzen
Charpente Toiture – Heizen mit eigenen Holzabfällen
Charpente Toiture ist ein luxemburgisches Unternehmen, das im Holzbau tätig ist. Es erzeugt die Wärme für seine Produktionshallen und Büros mithilfe eines Holzhackschnitzel-Heizkessels, wodurch es den anfallenden Holzabfällen ein zweites Leben verschafft.
Weitere Informationen hier
Sodexo Luxembourg – Verwertung der organischen Abfälle mit Biomethanisierung
In seinem CSR-Bericht 2024 schildert Sodexo Luxemburg, wie es seinen gesamten organischen Lebensmittelabfall zu einer Biomethanisierungsanlage in Luxemburg bringt, die diesen in Energie umwandeln kann. Diese umweltfreundliche Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen und des CO2-Fußabdrucks des Unternehmens.
Weitere Informationen hier (Seite 47 des Berichts).
Welche Fördermittel stehen mir für die Verwertung meiner organischen Abfälle zur Verfügung?
Der luxemburgische Staat bietet finanzielle Förderungen an, um Unternehmen bei der Verwertung ihrer organischen Abfälle zu unterstützen.
- Investitionsbeihilfe zum Umweltschutz
- Unternehmen, die ein Projekt zur ökologischen und energetischen Wende durchführen, können eine Steuervergünstigung in Anspruch nehmen. Diese richtet sich nach den im Rahmen eines Projekts zur ökologischen und Energiewende getätigten Investitionen und Betriebsausgaben.
- Fit4 Sustainability oder Umweltstudie zur Durchführung einer technisch-wirtschaftlichen Analyse.
- Verschiedene Förderprogramme der Stromversorger, wie beispielsweise das Programm „enoprimes“, sind mit staatlichen Beihilfen kumulierbar.
- Entdecken Sie auch unsere Broschüre mit den staatlichen Beihilfen zur Umsetzung von Dekarbonisierungsmaßnahmen.
Unterstützung beim Einstieg
In Luxemburg gibt es mehrere Instrumente und Anlaufstellen, die Unternehmen bei der Dekarbonisierung sowie der Finanzierung von Projekten, der Anschaffung von Ausrüstung oder bei Energieaudits unterstützen.
Die Chambre des Métiers kann Ihnen eine Orientierung in folgende Richtungen geben:
- Fördermittel für die Nutzung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz, insbesondere über das „Klimaprogramm Handwierk“, eine Initiative der Chambre des Métiers (Partner des Programms „Klima Pakt fir Betriber“), die allgemeine Informationen zur Dekarbonisierung von Unternehmen bereitstellt;
- Programme für technische Beratung und Audits (Experten und Berater);
- Schulungen und Informationsveranstaltungen für Ihr Team.
Über das vom „ KlimaPakt fir Betriber “ bereitgestellte Online-Tool können Sie die bestehenden Maßnahmen zur Unterstützung Ihres Unternehmens entdecken (kreuzen Sie „Handwerk“ in der linken Spalte an). Sie können sich auch von den zur Verfügung gestellten Fallbeispielen inspirieren lassen.
Luxinnovation begleitet Unternehmen im Rahmen der Investitionsförderung für den Umweltschutz sowie bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Entdecken Sie auch die von Luxinnovation entwickelte Übersicht über Akteure im Bereich Nachhaltigkeit: eine Übersicht des luxemburgischen Ökosystems für Nachhaltigkeitsförderer.
Die SuperDrecksKëscht fir Betriber bietet kostenlose und individuelle Beratung in Sachen Abfallwirtschaft und Abfallvermeidung an.
Darüber hinaus bieten mehrere Gemeinden Unternehmen eine Haus-zu-Haus-Sammlung für Bioabfälle an.
Der Service eHandwierk und die Berater der Chambre des Métiers [CDM – Sustainable Handwierk Home / Link] stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung, um Sie über die für Sie am besten geeigneten Maßnahmen zu informieren.
Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen
Im Hinblick auf einen nachhaltigen und klimaneutralen Wandel setzt Europa zunehmend auf Biomasse, da diese in vielen verschiedenen Sektoren eingesetzt werden kann und vielfältige Verwendungsmöglichkeiten bietet. Darüber hinaus bezieht der Europäische Green Deal Biomasse in sein Programm zur Verbesserung der Energiesicherheit, zum Naturschutz, zur Verringerung der Umweltverschmutzung sowie zur Eindämmung des Klimawandels ein.
Eine der größten Herausforderungen bei der Nutzung von Biomasse ist jedoch die Verfügbarkeit der Ressourcen und Rohstoffe, um die angestrebten Ziele zu erreichen. In der Realität ist die Versorgung mit Biomasse durch den Umfang der verfügbaren Landfläche, das Pflanzenwachstum, den Klimawandel und den Welthandel begrenzt.
Trotzdem bleibt diese Lösung für Handwerksbetriebe relevant, da sie die Erzeugung lokaler, erneuerbarer und kostengünstiger Energie ermöglicht, insbesondere wenn organische Abfälle vor Ort verwertet werden können.
Künftige Innovationen wie Mikro-Biogasanlagen, Hybridsysteme oder die Optimierung der Erträge können ihr Potenzial im Rahmen der Energiewende erweitern. Auch der luxemburgische Biogassektor steht vor mehreren Herausforderungen. Seine Entwicklung stagniert in den letzten Jahren, denn neben der Einhaltung des europäischen Rechtsrahmens sind die Bestandsanlagen mit Ressourcenengpässen konfrontiert. Der luxemburgische Staat hat deshalb eine Strategie entwickelt, um den Sektor wieder anzukurbeln und landwirtschaftliche Abwässer sowie organische Abfälle zu verwerten. Ziel ist es, 50 % des nationalen Potenzials an Gülle und Mist sowie 75 % der Bio- und Grünabfälle zu verwerten und gleichzeitig den Anbau von Energiepflanzen auf maximal 1.500 Hektar zu begrenzen. Die Brutto-Biogasproduktion dürfte somit bis 2030 330 GWh pro Jahr erreichen und so nachhaltig zur Klimaneutralität und Energieunabhängigkeit beitragen.
In Luxemburg ist die getrennte Sammlung von Bioabfällen im Gesetz über die Abfallbewirtschaftung und -vermeidung vorgesehen. Eine getrennte Sammlung dieser Art von Abfällen ermöglicht es, die Kosten für die Entsorgung von Restmüll zu senken und fördert die Verwertung dieses Materials.